Logbuch: Weiße Nächte in der Ostsee

Hier hatte ich vor einem guten Jahr einige Bloggerkollegen nach ihren Highlights in der Ostsee befragt. Das ganze sollte für Euch als Information und für mich ein wenig der Vorbereitung und Steigerung der Vorfreude auf die weißen Nächte in der Ostsee dienen.

Tatsächlich hat es aber jetzt durch Schwangerschaft und unser Baby echt lange gedauert, bis ich es endlich wieder geschafft habe, online zu sein und das Logbuch zu unserer Ostsee-Kreuzfahrt mit der Mein Schiff 4 ozu veröffentlichen. Um genau zu sein, ist es 13 Monate her… Aber ich glaube gerade in der aktuellen Zeit wähtend Corona und nach dem Lockdown, wo die Reiselust ganz, ganz langsam zurückkehrt, ist es doch ganz passend, auch hier ein kleines Comeback zu feiern!

Tag 1: Kiel

Nach mageren 1,5 Stunden Schlaf klingelt mein Wecker um 1.35 Uhr und starten früh am Morgen (oder ist das noch spät am Abend?) unsere Reise nach Kiel an die Ostsee. Wir reisen diesmal bequem im Bus an und nach gut 12 Stunden Fahrt inklusive Pausen erreichen wir den Ostseekai. In Kiel ist einiges los, denn unsere Kreuzfahrt startet inmitten der Kieler Woche, der größten Regatta der Welt. Nach nur wenig Schlaf und der langen Anreise stürzen wir uns jedoch nicht mehr ins Getümmel, sondern genießen von der X-Lounge aus die Ruhe und die Aussicht auf das bunte Treiben der Kieler Woche. Nach der obligatorischen Seenotrettungsübung (die es hier übrigens nicht gab!) genießen wir das Auslaufen auf einem der Außendecks und stellen bereits hier fest, dass es im hohen Norden länger hell ist als bei uns in Bayern. Gegen 23.00 Uhr verschwindet die Sonne am Horizont und wir auf unserer Kabine.

Tag 2: Seetag

Den heutigen Seetag heißt er erstmal ausschlafen und dann ganz gemütlich frühstücken und etwas faulenzen und die Ostsee geniessen. Am Nachmittag freue ich mich auf ein Facial und Pony schneiden beim schiffseigenen Friseur. Pony schneiden ist auf der Mein Schiff 4 übrigens gratis. Danke nochmals dafür!

Am Nachmittag besuchen wir im Theater die Lektorenlesung zu Tallinn, was uns viele neue Informationen und Eindrücke über Estland im allgemeinen und speziell der Hauptstadt Tallinn beschert.

Abends treffen wir Kapitän Ioannis Anastasiou beim Kapitänscocktail, ehe wir ein feines Dinner im Atlantik genießen und feststellen, dass die Sonne noch später im Horizont verschwindet.

Tag 3: Tallinn

Zu Fuß machen wir uns auf den Weg in die Stadt, genauer gesagt zunächst in die Oberstadt. Vom Hafen aus ist diese in gut 15-20 Minuten zu erreichen. Dort oben finden sich zwei Aussichtspunkte mit Blick über die Unterstadt bis zum Hafen sowie der Dom und die Kathedrale von Tallinn.

Bergab geht es dann in die Unterstadt, wo wir im Restaurant „Olde Hanse“ das mittelalterliche Flair genießen, das uns schon seit Betreten der Stadt umgibt. Die Kellnerinnen und Kellner servieren in mittelalterlichen Gewändern Honigbier und allerlei Deftiges. Sushi & Co. sucht man hier vergebens. Unbedingt solltet Ihr hier auch die Innenräume zumindest ansehen und auch die Toilette besuchen – auch die ist sehr sehenswert. Nach einem Besuch in der Ratsapotheke, einer der ältesten Apotheken Europas, laufen wir noch ein Stück entlang der Stadtmauer. Man kann auch ein Stück auf der Stadtmauer laufen und hat von dort oben eine geniale Aussicht auf die Ober- und Unterstadt. Der Eintritt liegt bei ca. 3-4 € pro Person.

Bevor wir uns auf den Weg zurück zur Mein Schiff 4 machen, stärken wir uns noch im Café Maiasmokk, einem der ältesten Kaffehäuser Tallinns. Mein Tipp: Unbedingt versuchen, in der ersten Etage einen der Tische am Fenster zu erhaschen.

Nachdem Abendessen lassen wir den Tag auf dem Balkon unserer Kabine ausklingen. Die Sonne scheint uns hier wärmend und hell bis ca. 23.40 Uhr ins Gesicht, ehe sie untergeht. Herrlich!

Es ist wird jetzt gar nicht mehr ganz dunkel, die Abenddämmerung geht gefühlt nahtlos über in die Morgendämmerung.

Tag 4/5: St. Petersburg

St. Petersburg die Zweite heißt es für mich. Bereits vor einigen Jahren war ich schon einmal hier und mehr als fasziniert von dieser Stadt. Leider gab es beim Besuch mit dem Schiff eine Einschränkung – ohne Visum dürfen wir leider nicht individuell in die Stadt, sondern müssen Ausflüge buchen. Das Angebot war hier relativ groß, so haben wir uns am ersten Tag für die Besichtigung des Jussupow-Palast, wo seinerzeit Rasputin ermordet wurde, eine Kanalfahrt und (immerhin) etwas Freizeit am Newski-Prospekt entschieden. Wegen der weißen Nächte war hier in Petersburg absolute Highseason, dementsprechend war überall relativ viel los.

Eine kleine Pause lohnt es sich jedoch im Café Singer einzulegen. Das Singer-Haus ist ein wunderschöner Jugendstilbau am Newski-Prospekt und ein Besuch lohnt sich nicht nur wegen der herrlichen Aussicht auf St. Petersburgs Shoppingmeile, sondern auch auf die Kasaner Kathedrale, direkt gegenüber. Und auch in Petersburgs größter Buchhandlung auf den ersten zwei Etagen lohnt sich ein Besuch.

Nicht unbedingt wegen der Läden, aber wegen der schönen Architektur solltet Ihr auch einen Blick ins Kaufhaus Passasch werfen. Anblick und Flair des wunderschönen Innenraum sind wirklich beeindruckend, vor allem kann man hier auch ganz wundbar die Ruhe abseits des Trubels des Newski-Prospekt genießen.

Unseren zweiten Tag in St. Petersburg verbringen wir zunächst am Peterhof, wo wir den Palast besichtigen und einen Spaziergang durch die großflächige Parkanlage mit ihren vielen Brunnen und den Kaskaden unternehmen. Mit einem Tragflügelboot ging es zurück in die Stadt zum eigentich Highlight des Tages: Dem Besuch der Eremitage, neben dem Louvre in Paris eines der großartigsten Kunstmuseen der Welt. Leider hatten wir hier die Rechnung ohne gefühlte eine Million anderer Besucher gemacht. Mit unserem Tourguide konnten wir als reservierte Gruppe zwar sehr schnell eintreten, jedoch fühlte man sich eher wie an einem sonnigen Tag auf dem Oktoberfest, als im Kunstmuseum. So ließen wir uns von Saal zu Saal schieben, ehe wir am späten Nachmittag auf’s Schiff zurückgekehrt sind.

Tag 6: Helsinki

Leider empfängt Helsinki uns regnerisch, so dass wir uns entscheiden, zunächst die Felsenkirche zu besichtigen und im Anschluss in die Stadt fahren. Hier ist definitiv ein Besuch in der alten Markthallte lohnenswert, hier solltet Ihr unbedingt das Mittagessen einplanen. Von Lachs in allen Variationen über Rentierschinken und leckere Suppen gibt es hier (fast) alles, was das hungrige Herz begehrt. Und als Dessert natürlich eine leckere Zimtschnecke. Im Anschluss ein kleiner Bummel über den Markt am Hafen und die Seeluft genießen und unbedingt noch einen Bummel zum Dom unternehmen.

Tag 7: Stockholm

Der letzte Hafenanlauf unserer Reise versöhnt das Wetter in Helsinki: Stockholm empfängt uns bei wunderbaren Wetter und wir genießen die Aussicht beim Frühstück aus der X-Lounge. Anschließend nehmen wir direkt von der Anlegestelle das Hop-on-Hop-off-Boot in die Stadt. Wir besuchen den Palast und die Hochzeitskirche der Königsfamilie und weil wir schon da sind, warten wir auch noch die Wachabslöung um 12.15 Uhr ab. Wer sich einen Platz ganz vorne sichern möchte, sollte hierzu ein bisschen früher da sein. Mittagessen wollen wir am Wasser. Für mich gab es – was sonst in Schweden – Köttbullar bei Mister French, ein wie es scheint hipper Laden in Stockholm. Anschließend lassen wir uns durch die wunderschöne Altstadt Gamla Stan treiben, wo wir auch die schmalste Gasse Mårten Trotzigs Gränd von Stockholm besuchen. Sie ist an der schmalsten Stelle gerade mal 90m breit.

Am Schiff zurück freuen wir uns auf das Auslaufen und die Fahrt durch den Schärengarten. Bei schönem Wetter und der untergehenden Sonne ein weiteres Highlight der Reise. Die Stimmung war unbeschreiblich schön.

Tag 8: Seetag

Der letzte Tag unserer Reise und somit die Rückkehr nach Kiel bricht an und schon in der vergangenen Nacht wurde es wieder etwas länger dunkel.

Wir nehmen heute am Kaviar-Tasting mit dem Chefkoch der Mein Schiff 4 teil. Neben vielen interessanten Informationen rund um das „schwarze Gold“ erfahen wir auch, wieviele Lebensmittel auf dieser Reise verbraucht wurden und staunen nicht schlecht:

  • 120 kg Garnelen pro Tag
  • 400 kg Fisch pro Tag
  • 0,5 t Mehl pro Tag
  • 34 t Obst und Gemüse
  • 60.000 Eier pro Woche

Da es sehr windig ist, verbringen wir den Nachmittag in der Himmel & Meer Lounge und genießen ein letztes Mal den Blick auf die Weiten der See.

There are 10 thoughts on “Logbuch: Weiße Nächte in der Ostsee

  1. Jana 3. August 2020

    Wow, ich bin begeistert, genau solch eine Reise wollte ich mit meiner Tochter auch schon so lange machen! In diesem Jahr hatten wir uns aber für eine Rundreise nach Finnland entschieden, die aber wegen Corona leider storniert werden musste! Mal sehen, ob wir diese oder deine Reise dann nächstes Jahr erleben können! Das wäre so toll!

    Liebe Grüße
    Jana

  2. Miriam 3. August 2020

    Wow, das klingt nach einer tollen Tour – auch wenn ich lieber mehr Zeit in der jeweiligen Stadt habe. St Petersburg steht auch auf meiner Liste, weit oben sogar – ist auch die einzige Stadt deiner Tour, die ich bisher nicht kenne.

  3. Julia 4. August 2020

    Ach ist das schön, Kiel meine alte Heimat. Kieler Woche das muss man echt erleben.
    Sieht nach ein paar schöne Tage aus die ihr hattet.

    LG
    Julia

  4. Sandra 4. August 2020

    Was bitte sind das für tolle Bilder und Einblicke. Danke dafür…das scheint wirklich bezaubernd gewesen zu sein…
    Viele liebe Grüße
    Sandra

  5. Charis 4. August 2020

    Wunderschöne Bilder. Kiel und Schiffsreisen sind jetzt nicht so meins, aber Talinn, St.Petersburg und Helsinki reizen mich sehr.
    – Verrückt finde ich den Fakt, dass die auf so einem Schiff 60.000 Eier in einer Woche verbrauchen. Das ist so viel, dass es meine Vorstellungskraft etwas übersteigt 🙂

  6. cookingCatrin 4. August 2020

    Was für ein unglaublich schöner Beitrag – kannte ich so noch gar nicht! Dieser Platz fehlt uns auf jeden Fall noch – LEIDER! Musste ich aber gleich meinem Mann zeigen damit er diese schöne Inspiration teilen kann.

    Lasse dir liebe Grüße da,
    Catrin von https://www.cookingcatrin.at/

  7. Lisa 5. August 2020

    Liebe Birgit,
    wow, das sind richtig schöne Bilder – die kenne ich ja schon von Instagram 🙂 So langsam glaube ich, habe ich auch mal Lust auf eine Kreuzfahrt. Bei Dir scheint es auch so, dass Du nicht all zu lange nur auf dem Boot warst, sondern tagsüber sehr viel gesehen hast. Ich bin aber auch etwas erschrocken, wie voll das schon wieder ist. Oder sind das alles die Gäste von Deinem Schiff?
    LG
    Lisa von Travellerin.de

  8. Marion 5. August 2020

    Hallo Birgit,
    ich war 2018 in St. Petersburg zu den weißen Nächten. Da hat es mir sehr gefallen. Der Norden im Sommer ist einfach etwas ganz anderes. Tolle Bilder, die Lust machen, deinen Tipps zu folgen. Ich hoffe, das es bald wieder geht. Im Moment gehts ja nicht. Ich speicher mir das aber mal ab. Viele liebe Grüße!
    Marion

  9. Michelle 6. August 2020

    Ohh, das wäre ja genau meine Route. Gerade die nordischen Gefilde sind genau meins und auch Sankt Petersburg und Tallin möchte ich gerne mal besuchen. Wobei ich jeweils mehr Zeit für die Städte bräuchte. Und Helsinki hat sich damals sowieso in mein Herz geschlichen.

    Super schöne Eindrücke, ich hab Fernweh

    Michelle

  10. Cornelia 7. August 2020

    Die Ostseeroute ist wirklich wundervoll – wir waren mit Oceania Cruises auf einer ganz ähnlichen Route unterwegs und ich war total begeistert! St. Petersburg fand ich total beeindruckend.

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